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OSGi Alliance: Durchgängige sichere Plattform für das Smart Home – und darüber hinaus: Die Unabhängigkeit ist das große Plus

Eine einheitliche, offene, hardware-unabhängige Plattform für Märkte wie das Smart Home bieten zu können, diesem Ziel hat sich die OSGi Alliance verschrieben. Dr. Susan Schwarze, Vorstandsmitglied & VP Marketing, OSGi Alliance, sowie Director Standards, ProSyst, erläutert, wie die OSGi Alliance dieses Ziel erreichen will.

Susann Schwarze, Prosyst Bildquelle: © Prosyst
Dr. Susan Schwarze, OSGi: »In unserem Vorstand befinden sich derzeit 10 unabhängige, meist sehr große Unternehmen, aber auch kleinere wichtige Firmen – jedes mit einer Stimme. Diese egalitäre Zusammenarbeit bietet eine sehr große Unabhängigkeit von einem einzigen führenden Unternehmen und sorgt durch die gemeinsame Standardisierung für eine höhere Flexibilität des Verbrauchers.«

Energie & Technik: Das Smart Home erlebt jetzt eine Wende: es kommt beim einfachen Endanwender an, nicht nur bei den eingefleischten Bastlern, die sich den teuren Spaß leisten wollen. Allerdings verwirren die vielen unterschiedlichen Protokolle die Endanwender immer noch…

Dr. Susan Schwarze:…genau da setzen wir an. Mit OSGi steht eine offene Integrationsplattform als eingebettete Ausführungsumgebung zur Verfügung. Für den Endanwender spielt es dabei keine Rolle, welche Protokolle die Geräte sprechen, da bereits die unterschiedlichsten Kommunikationsprotokolle via Schnittstelle flexibel und jederzeit integriert werden können. Um die Hardwareunabhängigkeit zu ermöglichen, bietet OSGi ein dynamisches Modulsystem auf Basis von Java und ermöglicht dank seiner Architektur die Erweiterung der OSGi Service Platform – und damit der vernetzten Gerätelandschaft – zu jedem Zeitpunkt. Die unterschiedlichsten Geräte können also zum Beispiel über ein OSGi-basiertes Service Gateway miteinander kommunizieren; dabei ist die Ausführungsumgebung selber eingebettet und für die Nutzer nicht sichtbar – sie brauchen sich um diese Details nicht zu kümmern, wenn sie nicht wollen.

Welche konkreten Vorteile bringt das?

Die Entwicklungskosten werden verringert, da Softwarekomponenten wiederverwendet werden können. Die Wartungskosten werden reduziert, da aus der Ferne – wenn autorisiert – Softwarefehler erkannt und Softwareupdates durchgeführt werden können. Des Weiteren können, beispielsweise über Portale, weitere Anwendungen nicht nur angeboten, sondern auch aus der Ferne zu jeder Zeit zur Verfügung gestellt werden. Und auch die Kunden profitieren davon: Sie können selber aus der Ferne auf ihre vernetzten Geräte zugreifen und so z.B. nachträglich den Herd ausschalten oder die Alarmanlage überprüfen – oder eben neue Anwendungen herunterladen.

Auf Basis dieser OSGi-Plattform können so Geschäftsmodelle entstehen wie wir sie von Apple und Google kennen. Insofern ist es kein Wunder, dass das Ökosystem rund um OSGi immer weiter wächst und es auch kaum ein Telekommunikationsunternehmen gibt, das sich nicht mit diesem Thema beschäftigt.

Wie positioniert sich OSGi gegenüber anderen Standardisierungsorganisationen?

Wir arbeiten eng mit anderen Standardisierungsorganisationen zusammen, um gemeinsam standardisierte Lösungen zu schaffen, die Smart Home, Smart Grid, und auch AAL, Telematik und M2M voranbringen. In diesem Zusammenhang kann auch unsere Zusammenarbeit mit der Home Gateway Initiative (HGI) [1] und dem Broadband Forum (BBF) erwähnt werden, die zu einer ersten standardisierten modularen Lösung für Customer Premises Equipments (CPEs), wie z.B. Router und Service Gateways, geführt hat. Diese Lösung wird derzeit von vielen Telekommunikationsunternehmen und deren Partnern für neue Geschäftsmodelle eingesetzt.

Wie etwa die Deutsche Telekom mit Qivicon?

Das wäre ein Beispiel. Die Produktlösung von Qivicon [2] basiert auf OSGi und ist mit dem Softwareunternehmen ProSyst zusammen entwickelt worden. Es gibt aber noch viele weitere, wie etwa auch AT&T mit Digital Live, das das Kommunikationsunternehmen zusammen mit Cisco entwickelt hat. Es ist in den USA bereits auf dem Markt erhältlich, genauso wie Haussysteme von Clarecontrols und Alertme, die Konsumenten Smart Home-Dienste anbieten. Oder auch NTT mit ICT Services in Japan. Hierzulande gibt es dann noch unter anderem den Comfort Touchpanel von Busch-Jäger, die Miele@Home-Lösung und einige, die ich namentlich noch nicht nennen darf.

Wie werden die Anwender ihr Smart Home steuern, über Monitore, die mit dem Service-Gateway im Haus verbunden sind oder über Smartphones und Tablets, die direkt mit der Cloud verbunden sind?

Beides ist möglich, auch eine Anbindung eines Tablets oder Smartphones über ein Gateway ist denkbar. Eine Zeit lang sah es so aus, als ob sich rein Cloud-basierte Lösungen stärker durchsetzen könnten, aber im Moment sind ja unter anderem wegen der NSA-Affäre Sicherheitsaspekte wieder in aller Munde und der Zugang über besser abgesicherte Service-Gateways nimmt wieder an Fahrt auf.

Wie sieht es dann mit Datensicherheit und Datenschutz aus?

Die modulare Architektur von OSGi beinhaltet einen sogenannten Security Layer: Über diesen finden alle Authentifizierungen und Autorisierungen statt. Hackerangriffe können über die Java-und OSGi-Sicherheitsmechanismen abgefangen werden, so dass Softwaremodule selbst nicht durch Viren infiziert werden. Natürlich ruhen wir uns aber auf den bestehenden Sicherheitsvorkehrungen nicht aus. So verstärkt zum Beispiel die OSGi Alliance in Release 5 Core die Sicherheitsmechanismen und auch in Zukunft wird die OSGi Alliance die bereits bestehenden Sicherheitsvorkehrungen überprüfen und bei Bedarf dann entsprechend erweitern.

Generell gilt aber im Internet: Ein gewisses Restrisiko besteht; das lässt sich auch kaum aus der Welt schaffen. Die Modularität unserer Plattform und die bestehenden Sicherheitsmechanismen machen es aber Angreifern bereits jetzt sehr schwer, das System auszuhebeln.

Steht OSGi in Wettbewerb zu Android und Microsoft?

Android betrachten wir nicht als direkten Wettbewerb. Wir haben gezeigt, dass wir Android nutzen können. Dazu sind zwar gewisse Änderungen und Anpassungen erforderlich, aber grundsätzlich ist das kein Problem. Allerdings ist Android zwar sehr etabliert im Smartphone-Markt, aber hat sich aus dem Smart Home wieder zurückgezogen. .NET von Microsoft ist theoretisch ein Wettbewerber, aber im Smart Home ist es bisher noch nicht etabliert. Des Weiteren handelt es sich bei der OSGi Alliance um keinen Einzelanbieter, sondern um ein globales Industriekonsortium, das bereits  ein umfangreiches eigenes Ökosystem aufgebaut hat und ständig erweitert -auch durch seine Kooperation mit anderen Standardisierungsorganisationen. Das Ökosystem umfasst dabei bereits unter anderem Geräte- und Chiphersteller, Softwareanbieter und Anwendungsentwickler, sowie Telekommunikations- und Energieversorgungsunternehmern.

Wo sehen Sie die entscheidenden Alleinstellungsmerkmale von OSGi?   

Die OSGi Alliance ist eine breit aufgestellte globale Industrievereinigung, die eine weite Spanne von Firmen abdeckt. Diese Firmen arbeiten gemeinsam an einer Standardisierung einer modularen und dynamischen Ausführungsumgebung mit Integrationseffekt für verschiedene Industriemärkte, wie Smart Home und Smart Grid, ehealth, Telematik und Enterprise. In die Entscheidungsprozesse fließen insofern die unterschiedlichen Industrieanforderungen und Mitgliedsbeiträge ein. Das bewahrt uns vor Schnellschüssen, da die Mitglieder die eingebrachten Vorschläge erst einmal auf die unterschiedlichsten Aspekte hin abklopfen. Wenn dann die Spezifikation final freigeben wird, kann sie schnell und ohne Angst vor Patentansprüchen umgesetzt werden, was durch das bestehende Ökosystem und die beteiligten Mitgliedsfirmen recht schnell der Fall ist.

Hier spielt eine große Rolle, dass wir über unsere OSGi IP-Policy abgesichert haben, dass die Implementierung der Spezifikation nicht von Patentrechten behindert wird – jeder hat das Recht, die Spezifikation zu implementieren, ohne die Befürchtung haben zu müssen, dass dann größere indirekte Lizenzkosten auf ihn zukommen. Ebenfalls sehr wichtig: In unserem Vorstand befinden sich derzeit 10 unabhängige, meist sehr große Unternehmen, aber auch kleinere wichtige Firmen – jedes mit einer Stimme. Diese egalitäre Zusammenarbeit bietet eine sehr große Unabhängigkeit von einem einzigen führenden Unternehmen und sorgt durch die gemeinsame Standardisierung für eine höhere Flexibilität des Verbrauchers. Der Käufer kann verschiedene Geräte von unterschiedlichen Anbietern in sein Gerätenetzwerk integrieren und auch jederzeit nachrüsten lassen, ohne sich endgültig festlegen zu müssen. Auch in unserem Haushalt haben wir Geräte von Apple, doch würde ich mich ungerne von einem einzelnen Anbieter abhängig machen – alleine der flexiblen Angebots- und Preisgestaltung wegen. Diese Unabhängigkeit ist wichtig und die OSGi Alliance trägt mit ihrer OSGi-Technologie dazu bei.
 
Wie verhält sich die EEBus-Initiative zu OSGi?

Der EE-Bus kann als mögliche Softwareschicht für Energielastenmanagement eingesetzt und in das Konzept der OSGi Service Platform integriert werden. Bis vor kurzem hatte die EEBus-Initiative OSGi Alliance und ihre Technologie wohl eher als Konkurrenz betrachtet. Jetzt scheint sich die Einstellung etwas zu wandeln und auch die EEBus-Initiative sieht EEBus eher als Ergänzung. Zumal wir ja gar nicht daran interessiert wären, eine Softwareschicht für Energielastenmanagment selber zu erstellen, sondern nur die Schnittstelle für einen solchen Standard über die OSGi Service Platform bereitstellen würden – genauso wie für andere Kommunikationsprotokolle wie zum Beispiel ZigBee, Z.Wave, Enocean, BacNet oder KNX.

Worin bestehen die nächsten Schritte von OSGi Alliance?

Wir haben gerade die Möglichkeit geschaffen, dass unsere Spezifizierungsarbeit im Internet über github öffentlich angesehen und bei Bedarf auch kommentiert werden kann. Die OSGi-Mitglieder werden dann die Beiträge begutachten und bei Bedarf für die Spezifikation verwerten. Diese sogenannte Transparency Policy erlaubt uns auch, mit anderen Organisationen zusammen zu arbeiten, ohne die bereits genannte OSGi IP-Policy zu verwässern. Die Technischen Expert Groups der OSGi Alliance arbeiten unter anderem derzeit an Spezifikationen für Cloud, Geräteabstraktion und Ressourcenmanagement. Auch ist, wie gesagt, vorgesehen, die Sicherheitsmechanismen erneut zu überprüfen und gegebenenfalls zu verstärken.

Des Weiteren stehen wir mit internationalen Standardisierungsorganisationen in Kontakt. Unter diese zählen HGI und BBF, sowie ETSI M2M und die internationale Dachorganisation OneM2M, unter der sich unterschiedliche Standardisierungsorganisationen sammeln. Das Ziel besteht schlussendlich darin, den Anwendern ein durchgängiges interoperables System, eine sogenannte end-to-end-Lösung anbieten zu können. Wir sind auf dem richtigen Weg, wie das wachsende OSGi-Ökosystem und der Einsatz von OSGi-Technologie beweist, aber natürlich bleiben wir offen für weitere Entwicklungen, die von unseren Mitgliedern und den Märkten gefordert werden. Diese Flexibilität wollen wir uns auch beibehalten.