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01. Februar 2012
Ab 2016: Strom aus Tunesien in europäische Haushalte

special »Es gibt genügend Investoren, um die Finanzierung zu sichern«

Der saubere Strom aus der Wüste nimmt mit dem Projekt von TuNur in der Wüste konkrete Formen an. Energie & Technik sprach mit Dr. Till Stenzel, Geschäftsführer von TuNur, über die Umsetzung und die Finanzierung des Projekts sowie über die politische Situation in Tunesien.

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Dr. Till Stenzel
© Desertec 
zoom
Dr. Till Stenzel, TuNur: »Gegenüber herkömmlichen Kraftwerken mit Wasserkühlung reduzieren wir mit dem luftgekühlten Turmkraftwerk den Wasserverbrauch auf einen Schlag um 90 Prozent.«

Die Ziele des Projekts hören sich gut an, zunächst muss es aber finanziert werden. Wie soll das geschehen?

Dr. Till Stenzel: Im Fall von TuNur führen wir derzeit Gespräche mit den multilateralen Banken, wie der Welt Bank und der Afrikanischen Entwicklungsbank. Diese Institutionen werden einen wichtige Rolle im Gesamtfinanzierungspaket spielen, und die Afrikanische Entwicklungsbank hat bereits ihr Interesse an einer führenden Rolle in der Finanzierung bestätigt. Das läuft ähnlich wie bei den Windparks in Nordsee, wo die Europäische Investitionsbank (EIB) und die KfW die Kernfinanzierung zur Verfügung gestellt haben und die übrigen Banken dann folgten.

Die Finanzierung für das TuNur-Projket ist also noch nicht ganz durch?

Nein, aber das Interesse potenzieller Investoren ist sehr groß, wir sind sicher, in der veranschlagten Zeit weitere Investoren ins Boot holen und das Projekt finanzieren zu können.

Der Preis für den nach Europa exportierten Strom wird für die Finanzierung eine entscheidende Rolle spielen. Wie hoch wird der Preis denn sein, die europäische Nutzer bezahlen müssen?

Dr. Till Stenzel: Die Preisfindung ist natürlich ein schwieriger Prozess. Grundsätzlich ist ein Solar-Kraftwerk, das kontinuierlich Strom liefert, ausgesprochen attraktiv. Denn der einmal festgelegte Preis wird stabil bleiben, und bietet so einen natürlichen Hedge gegenüber fluktuierenden Preisen von Gas, Öl und Kohle. Und die Anbieter können mit dem Argument werben, dass der Strom nachhaltig erzeugt wurde, viele Verbraucher werden geneigt sein, dafür zunächst einen Aufpreis zu bezahlen.

Aber das wesentliche Argument besteht darin, dass die Preise über lange Zeit stabil sein werden. Die Kosten für Energie aus fossilen Quellen wird dagegen steigen – wie sie sich konkret entwickeln, weiß heute keiner. Mit Strom aus der Wüste ist man also auf der sicheren Seite. Das ist nicht nur eine abstrakte Meinung: Wir stehen mit deutschen Konzernen in sehr konkreten Verhandlungen.

Wie sehen die gesetzlichen Regelungen für das Einspeisen des Stroms ins europäische Netz überhaupt aus, gibt es dazu ein europäisches Gesetz?

Ein europäisches Gesetz gibt es nicht. Italien aber verfügt über ein Gesetz, das den Import von Strom aus erneuerbaren Quellen regelt. Die Verhandlungen finden auf bilateraler Ebene statt. So hat Ende letzten Jahres Italien mit Serbien einen Vertrag über die über die Einspeisung von Wasserkraft durch ein neues Unterseekabel nach Italien geschlossen. Wir können aber auch Verträge mit Energieunternehmen schließen, die Interesse daran haben, Solarenergie zuverlässig und vorhersehbar zu beziehen.

Wie schnell kann denn das 600 km lange HGÜ-Kabel von Tunesien nach Italien gebaut werden?

Vor einem Jahr wurde das 400 km lange Kabel zwischen Sardinien und dem italienischen Festland fertig gestellt. Die Bauzeit betrug ein Jahr. Wir rechnen damit, dass die Bauzeit für das 600-km-Kabel nicht länger als zwei Jahre in Anspruch nimmt. Die Genehmigungsverfahren dürften bis 2014 abgeschlossen sein, so dass der Strom ab 2016 fließen könnte.

Das Stromnetz in Italien verfügt über genügend Kapazitäten, um 2 GW übertragen zu können?

Weil das Land bisher Energie-Importeur ist, steht eine Übertragungskapazität von 11 GW zur Verfügung. Bisher floss der Strom von Norden nach Süden, wenn TuNur produziert, wird sich dieser Stromfluss einfach umdrehen.

Als wie stabil beurteilen Sie die politische Situation in Tunesien?

Grundsätzlich empfinde ich die Entwicklung als sehr positiv. In Tunesien haben wir seit 2009 vor Ort gearbeitet. Dass eine Revolution ausbricht und der Präsident nach vier Wochen aus dem Land flieht, hat niemand so vorausgesehen, niemand hatte erwartet, dass der Wandel so schnell einsetzen und so radikal sein würde. Tunesien ist dann sehr schnell einen strukturierten Weg gegangen: eine Übergangsregierung hat sich gebildet und eine Kommission überwacht die Ziele der Revolution. Und ein Jahr nach dem Ausbruch der Revolution hat eine freie Wahl stattgefunden, eine freie Regierung hat sich gebildet. Die Voraussetzungen, um in Tunesien zu investieren, sind gegeben, die tunesischen Partner sind bereit dazu.