Brennstoffzellen gegen Batterien – oder miteinander?

von Heinz Arnold
Veröffentlicht am: 12. April 2011
Kategorien: Elektromobilität
Tags: Keine Tags
Kommentare: 13 Kommentare

Die Diskussion um die Schäden in den japanischen Atomkraftwerken und die daraus zu ziehenden Lehren waren auch auf der Hannover Messe letzte Woche das beherrschende Thema. Neuen Schub hat sie offenbar auch der Brennstoffzellen-Technik gegeben.

Die Befürworter halten den Aufbau einer Wasserstoff-Infrastruktur für nicht viel aufwändiger als für die Infrastruktur für »Elektrotankstellen«. Und sie sehen den Durchbruch für die Wasserstoff-Brennstoffzellen-Technik jetzt – fast – geschafft. Weil alle Beteiligten an einem Strang zögen.

Batterie- und Brennstoffzellen-betriebene Autos sollten also künftig einen Mix bilden, bis 2030 könnten die Brennstoffzellen-Autos sogar an den batteriebetriebenen Typen vorbei ziehen.

Und gefährlich sei der Umgang mit Wasserstoff schon gar nicht – zumindest wenn man es richtig macht, was aber kein Problem wäre, die Technik sei ausgereift und sicher. Außerdem lässt sich Wasserstoff ohne CO2-Belastung aus Windkraft herstellen – wobei sich nebenbei auch das dringende Problem der Energiespeicherung zumindest zum Teil lösen ließe.

Was meinen Sie dazu: können Sie sich vorstellen, dass wir künftig sowohl mit batteriebetriebenen als auch mit brennstoffzellenbetriebenen Elektroautos fahren werden? Oder wird die Batterietechnik bezüglich Reichweite, Ladedauer und Preis so schnell voranschreiten, dass die Wasserstoff-Brennstoffzellen keine Chance haben werden?

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  1. Paul Kanduth sagt:

    Der Antrieb für unsere Mobilität in der Zukunft ist elektrisch, davon bin ich felsenfest überzeugt. Genauso überzeugt bin ich, dass die erforderliche elektrische Energie aus Brennstoffzellen kommen wird. 30 kWh/kg Energieinhalt und kurze Ladezeiten für H2 sind nicht zu toppen. Die Investitionen in leistungsfähige Batteriekonzepte sind nicht verloren, weil der Strom aus PV für den Privatgebrauch irgendwo gefuffert werden muss, wenn dereinst die horrenden Einspeisevergütungen, die wir heute alle mitbezahlen, wegfallen werden, die PV-Module aber noch Energie liefern werden.

  2. Jens Both sagt:

    Warum nicht einfach den Wasserstoff in Methanol umwandeln ? (25 % Wirkungsgrad-Verlust)Dann könnte die bisherige Infrastruktur mit den Tankstellen usw. unverändert weiter benutzt werden und die bestehenden Fahrzeuge bräuchten nur kleinere Anpassungen.

    mfg
    Jens Both

  3. Thom sagt:

    Die Aussage, dass der Durchbruch für die Brennstoffzellentechnik jetzt fast geschaft ist, da ja alle an einem Strang ziehen, halte ich für Unsinn.
    Das Thema schlummert bereits seit Jahre fixfertig und ausgereift in den Schubladen. Es war lediglich politisch nicht gewollt. Jetzt hat sich das Fähnchen gedreht und die entsprechende Lobby nutzt das Momentum um aus der Deckung zu kommen, da sich jetzt Themen für neue Energien politisch viel einfacher durchstzen lassen.

  4. Frank Schlenner sagt:

    Die Frage welche sich mir aufdrängt ist die Versorgung der Tankstellen mit flüssigem Wasserstoff von Tanklagern, welche widerum von den Erzeugern beliefert werden.
    Es sind – soweit ich mich erinnere – erhebliche Drücke notwendig um Wasserstoff flüssig zu halten … und bei mind. 3 Stufen bleibt sicherlich einiger Wasserstoff im jeweiligen Tank(-fahrzeug) zurück welcher nicht “abgeladen” werden kann.
    Und siehe Wikipedia:
    “Die Speicherung in Hydriden und Nanoröhren stellt die sicherste Methode da. Die Tanks sind allerdings sehr schwer, in einem 200-kg-Tank können nur etwa 2 kg Wasserstoff gespeichert werden, was energetisch etwa 8 Litern Benzin entspricht.”

    Ansonsten: Eine interessante Technologie welche weiter verfolgt werden sollte.

  5. Rainer Manz sagt:

    Egal,ob PV oder Windenergie, diese Energieform steht kostenlos zur Verfügung und läßt sich mit geringeren Kosten in brauchbare Energieträgern (Wasserstoff, Gas)umwandeln und somit in verfügbare Speicher unterbringen.Die Möglichkeiten sind schon lange vorhanden. Ein Erdbeben oder andere Naturgewalten lösen keine so -nachhaltigen – Katastrophen aus wie Atommeiler. Nur die Lobby und deren Helfer in der Regierung hat das bisher verhindert. Die Ölbarone lassen grüßen. Hoffentlich wirkt das Wahlergebnis von Baden-Württemberg auch noch bei anderen Wahlen nach.

  6. Von 1986 bis 1992 hat Linde, Siemens, BMW und AEG in Neunburg v.W ( Wackersburg )
    Photovoltaik, Wasserstofferzeugung und -Speicherung sowie Wasserstoffautos ausgiebig getestet. Auch die Anfänge der Brennstoffzelle erlebte ich mit.
    Bei einer Wasserstoffexplosion hätte es mich fast zerlegt.
    Trotz zweifach Spezialventile entwich das Gas, ein Schlauch wurde runtergezogen- die Schelle schlug gegen Metall und Rumps.
    Leider gingen auch 60% der erzeugten Energie für Gserzeugung und vor allem Verflüssigen mittels Kompressoren wieder flöten.
    Trotzdem scheint die Technologie sinnvoll als Spritersatz für Langstrecken oder LKW.
    Im Gebäudebereich für Heizung aber zu teuer, hier wäre eine direkte Speicherung von Wärme von Solarenergie (Glaubersalzlösung ergibt 1/8 des nötigen Wasservolumens )sinnvoller.
    Warum gehen wir nicht direkt den Weg, über hochkapazitive Kondensatoren direkt Solarenegie zu speichern – für kurze Strecken völlig ausreichend ( Durchschnitt ist ja nur < 30km pro Tag )
    Damit wäre sowohl ein riesiges Puffernetz für elektrische Energie möglich,
    kleinere und leichtere Fahrzeuge als die schweren Batterien- und wirklich dezentral gelöst.
    Übrigens- Italien hat schon 8 Jahre in jedem Haushalt eine Lastabwurfmöglichkeit-
    jeder entscheidet, ob er die teure Energie will oder nur für manche Geräte.
    Schade dass die wenigen Energiekonzerne so eine Macht haben bei uns, und die derzeitige Politik als Rückendeckung haben.
    Erst wenn wir begriffen haben, wer unsere eigentlichen Gegner sind für gute Lösungen, wird es Fortschritt geben.
    Übrigens, was haltet ihr von diesem Artikel:
    Haiko Lietz 23.03.2011 http://www.heise.de/tp/r4/artikel/34/34400/1.html

  7. Thomas Fränz sagt:

    Die Wasserstofftechnik ist kaum so sicher zu machen wie die Batterie Technik.
    Die Kondensator Technik macht enorme Fortschritte und die Reichweiten sind jetzt
    schon brauchbar.
    Welche verheerende Wirkung eine simple Wasserstoffexplosion hat haben wir gerade
    auch in Fukushima wieder gesehen. Die Akzeptanz beim Verbraucher dürfte bei
    der E-Technik auch um ein vielfaches höher sein. Infrastruktur ? Der Strom kommt
    heute schon überall aus der Steckdose. Die entnehmbare Leistung muß nur höher sein. Zum Aufladen braucht es nur eine Art Parkuhr mit Online Abbuchung. Tankstellen sind überflüssig. Zur Not kann man jetzt schon über Nacht zu Hause aufladen.

  8. Thomas sagt:

    Bei der Wasserstofftechnik gibt es aber auch noch das ungelöste Problem mit der Verflüchtigung. Keine Dichtung ist so dicht das nicht Wasserstoff entwicht. Werden Autos betankt und stehen 3-4 Wochen ist der Tank fast leer weil der Wasserstoff durch Dichtstellen und Tankhülle difundiert. Somit ist eine Langzeitspeicherung witzlos solange dieses Problem nicht gelöst ist.

  9. Die Brennstoffzelle ist auch die ideale Quelle für die dezentrale Stromerzeugung. Sie sollte aber auch mit Erdgas oder Methan funktionieren, eventuell mit Benzin oder Alkohol. Ich verstehe nicht, warum die Technik noch nicht weiter ist. Ich habe es mir immer mit dem mangelden Interesse von allen Seiten erklärt. Die Ölmonopolisten fürchten den geringen Verbrauch der Autos, der Staat lässt zwar U-Boote bauen, hat aber Angst um die Mineralölsteuer, die Strommonopolisten fürchten jede Art von dezentraler Stromerzeugung wie der Teufel das Weihwasser, die Autobauer haben sowieso keine Ahnung von Elektroautos. Das sieht man an den zurzeit erhältlichen Elektrowagen. Ein gutes E-Car hätte 4 Radmotoren, keine Mechanik zur Kraftübertragung und würde nicht mehr als 600 kg wiegen.

  10. Hans Diesing sagt:

    In Brückentechnologien investieren?

    “Wasserstoff käme also zumindest die Rolle einer günstigen Überganstechnik zu.”
    Wenn die Wasserstoff-Brennstoffzelle eine Brückentechnologie ist, würde ich als Verbraucher lieber etwas länger auf ausgereifte Batterielösungen warten. Hinzu kommt der Umstand dass trotz hoher Energiedichte die Dauer-Leistungsabgabe der Brennstoffzellen nicht für Sprints reicht. Deshalb führen die Pilotprojekt-Fahrzeuge auch massive Pufferkondensatoren mit, um Überholvorgänge zu ermöglichen (ähnlich wie bei der kinetischen Energierückgewinnung in der Formel-Eins). Aber wer weiss schon, wie lange sich so ein Überholvorgang hinzieht und ob er noch gefahrlos abgebrochen werden kann, wenn der Pufferkondensator entladen ist? Auch mich beschleicht eine Ahnung, dass hier alte Schubladen-Subventionen von einer Lobby recycelt werden sollen.

  11. Dominik Kunz sagt:

    Es schon interessant, dass die Wasserstoff Befürworter die Katastrophen in Japan als Auftrieb für ihre Technologie nutzen wollen.
    Man kann die Katastrophe auch anderst interpretieren.
    Die Kernkraftwerkexplosion wurde durch Wasserstoff ausgelöst. Sollte dies nicht nachdenklich stimmen?
    Nun um Energie speichern zu können, ist Wasserstoff interessant, jedoch der Aspekt Sicherheit wird meiner Meinung nach falsch eingeschätzt.

  12. Peter Schubert sagt:

    Natürlich sind Batterien heute und absehbar auch künftig viel zu schwer und zu teuer – aber das heißt ja nicht automatisch, daß Wasserstoff die Lösung ist.
    Wasserstoff ist grundsätzlich viel zu gefährlich, weil er hochreaktiv ist.
    Aus guten Günden baut man keine Luftschiffe mehr auf dieser Basis.
    Er ist für den Gebrauch in Massenprodukten nicht beherrschbar und also nicht zu verantworten. Technik kann immer auch kaputtgehen, und Menschen machen bei ihrem Gebrauch Fehler. Die Folgen solcher Fehler müssen aber noch vertretbar sein.
    Real beherrschbar ist ganz gewiß Methan, und dafür gibt es bereits eine komplette Infrastruktur (das Erdgasnetz und dessen Speicher). Und es gibt schon lange alltagstaugliche Serienautos für Erdgas=Methan.
    Schön wäre es, Brennstoffzellen mit Methan betreiben zu können.
    Oder klarer ausgedrückt, die Brennstoffzellen haben genau dann Chancen, wenn sie eben nicht mit Wasserstoff, sondern mit Methan, Flüssiggas oder Methanal/Alkohol betreibbar sind.
    Sehr gute Perspektiven hat die Erzeugung von Methan mit Sonnenenergie direkt aus CO2 und Wasser, z.B. mit verantwortbaren Biotechnologien. Ansätze dazu gibt es. Die Photosynthese der Pflanzen funktioniert ja ähnlich.
    Ich halte es für wenig wahrscheinlich, daß man auf ähnlichem Wege Wasserstoff herstellen kann – er ist viel zu reaktiv, verbindet sich bei erster Gelegenheit wieder mit Sauerstoff – womöglich mit lautem, zerstörendem Knall.

  13. Ekkehard sagt:

    Ich bin grundsätzlich ein Anhänger der Wasserstofftechnologie, die meiner Meinung nach im Bereich der Ottomotoren besser aufgehoben ist. Dennoch gibt es das Problem der Speicherung von Wasserstoff, wobei die Flüchtigkeit eine zentrale Rolle spielt. Wasserstoff zischt so schnell ab ins Weltall, ohne das es einem auffällt und er war nicht mehr gesehen. Des weiteren ist immer die Explosionsgefahr gegeben, es sei denn, der Wasserstoff liegt in chem. gebundener Form vor wie z.B. in Metallhydrid. CH4 ist ebenso leicht flüchtig. Eine vielleicht vielversprechnde Methode der Energiespeicherung ist Zinkpulver – an dieser Technologie wird bereits geforscht.

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